„Kraftwerk Familie“
Mit diesem Titel hat am 8./9. Mai 2026 eine Tagung des IEF in Zürich stattgefunden. Wieso „Kraftwerk Familie“? Wir wollten uns zusammen mit Fachpersonen aus den Bereichen Psychotherapie, Mediation, Schule und Elternarbeit überlegen, wie es gelingen kann, dass Familien Energie erzeugen können und wie wir als Fachpersonen dazu beitragen können, dass diese Energie auch freigesetzt wird. Das Thema stösst offenbar auf Anklang: 120 Personen aus ganz unterschiedlichen Fach- und Himmelsrichtungen sind an die Tagung gekommen und haben sich engagiert und in einer guten Atmosphäre ausgetauscht.
In der aktuellen demographischen und politischen Situation ist die Gründung einer Familie ein Kraftakt – wie André Woodtli, Vorsteher des Amtes für Jugend und Berufsberatung (AJB) Zürich, in seinen einleitenden Worten mit konkreten Zahlen eindrücklich geschildert hat: hohe Kosten für die Kinderbetreuung, Lohnausfälle, hohe Anforderungen an die Flexibilität, usw. Dazu kommt der Aspekt der älter werdenden Gesellschaft: Die Kinder werden zur Minderheit in unserer Gesellschaft – ein historisches Novum. Die Kohorte der heutigen Eltern ist in der Schweiz aus verschiedenen Gründen politisch unterrepräsentiert. Die Kindheit und der öffentliche Raum, das Verständnis für Kinder und allenfalls auch die finanzielle Unterstützung für Familien geraten unter Druck. Aus diesen Gründen könnte in den Raum gestellt werden, dass die Familie ein Kraftwerk ist, welches aktuell vor allem Energie verbraucht, anstatt sie zu produzieren.
Das bedeutet für uns, dass es für die Unterstützung von Familien nicht Einzelpersonen braucht, sondern ein gutes interdisziplinäres Zusammenspiel notwendig ist. Und wo etwas zusammenkommt, fliesst gewöhnlich Energie. So der Grundgedanke des „Kraftwerks Familie“.
An der Tagung ist viel Energie geflossen – im Referat von Eia Asen zur Multifamilientherapie mit vielen praktischen Beispielen und im Referat von Sammy Frey, der aus seinem Alltag als Schulbegleiter berichtete. Im Gespräch zwischen Raymund Solèr und Monika Holzer, welche die Stelle für Mediation im Jugendstrafverfahren der Zürcher Direktion der Justiz leitet und im Referat von Verena Karl und Eduard Sadžakov zum Thema Neurodiversität begegneten wir vielen vernetzten, kreativen und systemischen Konzepten und Herangehensweisen, um belastete Familien zu unterstützen.
In den Workshops wurden bestehende Projekte vorgestellt, welche Familien ganz konkret im Alltag unterstützen – vom offenem Begegnungsort für Familien mit kleinen Kindern bis zur Mediation im Jugendstrafbereich, von Multifamiliengruppen für Familien mit Migrationserfahrung bis zum Aufbau einer Fachstelle für Kindesschutz, von Schulbegleitung bis zu Patchwork-Familien.
Wie geht es weiter? Mit vielen schönen Bildern und Eindrücken von der Tagung und mit einem nächsten Datum: Am Dienstag, 29. September treffen wir uns am IEF zum ersten Vernetzungstreffen und wir sind gespannt, welche Gedanken und Projekte wir zusammen weiterentwickeln, um die Energie rund um das Kraftwerk Familie wieder zum Fliessen zu bringen. Interessierte Personen können sich hier anmelden: https://www.ief-zh.ch/angebot/kraftwerk-familie-vernetzungstreffen/
Wir freuen uns auf das Netzwerk „Kraftwerk Familie“
Anna Gunsch, Bereichsleitung Systemisch vertieft, IEF